Wissensmanagement in der Mittagspause

Ein nachahmenswertes Beispiel, besonders geeignet für KMU oder Unternehmensbereiche mit ca. 100 Mitarbeitern:

So nutzt ein Dienstleistungsunternehmen mit etwa 100 Mitarbeitern die Pausen, um den Erfahrungsaustausch zu fördern. Dabei stellen Mitarbeiter ihren Kollegen einmal pro Woche während der Mittagszeit neue Softwareprogramme, veränderte Dienstleistungsangebote oder allgemein die Aufgaben ihrer Abteilung vor. Die Teilnahme ist freiwillig.

Das Unternehmen sponsert nur das Mittagssandwich. Personalleitung und Abteilungsleiter legen den internen Veranstaltungsplan gemeinsam im Hinblick auf den Informationsbedarf der Mitarbeiter und die Erfordernisse des Unternehmens für die kommenden drei bis vier Monate fest. Dadurch wird Transparenz und Verständnis für die Unternehmensabläufe und die Funktion der einzelnen Bereiche geschaffen. Erfahrungswissen wird in seinem jeweiligen Kontext kommuniziert.

Ein besonderes Beispiel stellt das Ergebnis einer Mitarbeiterbefragung dar, wonach die Bedeutung der Buchhaltung von den übrigen Mitarbeitern als nur sehr gering bewertet wurde und die Sichtweise dominierte: "Mit denen von der Buchhaltung haben wir nichts zu tun." Daraufhin stellten die Mitarbeiter der Buchhaltung ihre Funktion für das Unternehmen und die Schnittstellen zu den übrigen Bereichen vor.

Dieses einfache Vermitteln von Prozesswissen ist für das Funktionieren jeder Organisation von Bedeutung. Trockene Beschreibungen in Handbüchern werden so mit Leben gefüllt; Funktionen bekommen Namen und Gesicht. Auf diese Weise wird das Behalten und Beibehalten wesentlich besser trainiert als in vielen konventionellen Schulungsveranstaltungen.

Dieses Beispiel zeigt besonders deutlich, dass Wissensmanagement für KMU keine unüberwindliche Hürde darstellt und nicht immer mit umfangreichen Investitionen in Informationstechnologie verbunden sein muss. Diese entfaltet ihre beschleunigende Funktion erst, wenn die Fundamente bei den kulturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen gelegt sind und die Wissensträger über die adäquaten Fähigkeiten zum systematischen Umgang mit ihrem Wissen verfügen.

Quelle: Spezialreport Wissensmanagement, Symposion Publishing 1999 (Siehe Literatur)

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