wissen.org Newsletter Nr. 18 vom 01.06.2005
Liebe Leserin, lieber Leser
Nach einer allzu langen Pause erhalten Sie wieder einen Newsletter von wissen.org. Ich hatte so viel Arbeit, dass mir einfach die Zeit zum Schreiben fehlte.
wissen.org: Neues Profil, neuer Auftritt
Seit einiger Zeit bewegen mich folgende Fragen:
- Wie überleben Unternehmen?
- Wie entwickeln sich Unternehmen?
- Was führt Unternehmen zum Erfolg?
Meine Antworten:
Ein Unternehmen hat die höchste Überlebenschance und langfristigen Erfolg, wenn es offen ist für Signale aus seiner Umwelt, wenn es diese sinnvoll interpretiert und entscheidet,
- wie es sich verändern,
- in welchen Bereichen es innovativ sein,
- in welchen Bereichen es effizient sein will.
- In jedem Fall spielt Wissensmanagement eine wichtige Rolle: Ein Unternehmen, das sein Wissen systematisch nutzt und pflegt, hebt sich von seinen Mitbewerbern ab.
Aus dieser Betrachtung leiten sich die aktuellen Beratungsschwerpunkte von wissen.org ab:
Für weitere Details besuchen Sie bitte die neue Website www.wissen.org.
Ich freue mich, wenn ich Ihrem Unternehmen mit meinen Kompetenzen von Nutzen sein kann!
NASA und der Mars
Im Newsletter Nr. 1 vom 07.01. 2000 habe ich unter dem Titel „Die grünen Männchen und Wissensmanagement“ über die Misserfolge der NASA berichtet: Die NASA erlitt in den späten 90er Jahren zwei Fehlschläge beim Versuch, den Mars zu erforschen.
Was waren die Ursachen für diese Misserfolge?
Alan McCormack (Professor an der Harvard Business School) untersuchte, weshalb es zu diesen Misserfolgen gekommen ist, und unter welchen Rahmenbedingungen grosse Veränderungs- und Innovationsprojekte höhere Chancen auf Erfolg haben: Ein Lehrstück für das Management (Quelle: Harvard Business Review).
McCormack fand heraus, dass beide Fehlschläge auf die sogenannten FBC-Initiative (Faster, Better, Cheaper) der NASA zurückzuführen sind. Der FBC-Ansatz hätte anfangs der 90er Jahren die Projektkosten und die Entwicklungsdauer um ein Vielfaches reduzieren sollen. Das Ziel wurde erreicht, jedoch mit gravierenden Nebenwirkungen:
- Jede FBC-Mission musste mit noch kürzeren Entwicklungszeiten und geringeren Kosten auskommen, dies bei einer Entwicklungszeit von ca. 4 Jahren. Durch FBC wurden neue Projekte lanciert, ohne Erkenntnisse aus anderen Projekten zu ziehen.
- Zwar hatte sich die NASA „Lernen aus kollektiven Erfahrungen" auf die Fahne geschrieben, doch sie implementierte kein systematisches Wissensmanagement und stoppte sogar die regelmässigen Projekt-Reviews durch besonders erfahrene Experten.
- Die NASA beschränkte sich darauf, nur aus Fehlern zu lernen. Erfolgsprojekte wurden nicht analysiert. Deshalb verpasste man die Chance, Probleme und deren Lösungen zu identifizieren, um zukünftige Misserfolge zu verhindern.
Nach Alan McCormack können wir in Bezug auf Organisationstransformation und Innovation folgende Managementlehren ziehen:
- Bestimmen Sie im Voraus, welches Feedback wann zum Fortschritt einer Massnahme nötig ist.
- Erhöhen Sie die Messlatte für Leistungen erst dann, wenn die Sicherheit besteht, dass Ihre Mitarbeiter die höheren Anforderungen tatsächlich bewältigen können.
- Gewährleisten Sie den expliziten und impliziten Wissenstransfer durch systematisches Wissensmanagement.
- Lassen Sie aus allen Projekten lernen - ob erfolgreich oder nicht. Finden Sie heraus, weshalb ein Projekt erfolgreich ist, und finden Sie die Fehler, die auch dieses Projekt hätten zum Absturz bringen können.
Last but not least
Die NASA hat sich wieder aus dem Sumpf gezogen. Im Jahr 2004 gelang mit der Entdeckung von Wasser auf dem Mars mit den NASA-Erkundungsrobotern Spirit und Opportunity der grosse wissenschaftliche Durchbruch.
Schöne Grüsse vom Bodensee
Christian Katz
